{"id":77,"date":"2008-09-01T12:14:33","date_gmt":"2008-09-01T10:14:33","guid":{"rendered":"http:\/\/cameracartell.com\/wp\/?p=77"},"modified":"2009-12-12T13:55:47","modified_gmt":"2009-12-12T11:55:47","slug":"das-label-videokunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cameracartell.com\/wp\/?p=77","title":{"rendered":"the label videoart"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/cameracartell.com\/wp\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/anri-text.jpg\" alt=\"anri-still1\" \/><\/p>\n<p><strong>the label videoart \/\/ a comment<\/strong><\/p>\n<p><strong>LABEL VIDEOKUNST. KRITISCHE ANMERKUNGEN von Stephanie Lauke<\/strong><\/p>\n<p>Was ist Videokunst? Eine Zusammensetzung aus den beiden Begriffen <em>Video<\/em> und <em>Kunst<\/em>. Beide sind f\u00fcr sich genommen schon Begriffe, die einer eindeutigen Definition entbehren. Gleichzeitig erlebt der Begriff Videokunst in s\u00e4mtlichen Massenmedien, von Kunstzeitschriften, Feuilletons bis Fernsehmagazinen, schon seit einigen Jahren seinen zweiten Fr\u00fchling.<\/p>\n<p>Also wei\u00df doch jeder, wovon die Rede ist? Videokunst, klar. Das sind doch &#8211; Kunstwerke aus Videos. Weist man dezent darauf hin, dass heute die meisten K\u00fcnstler mit digitalen Techniken und nicht mehr mit dem urspr\u00fcnglichen Videoformat arbeiten, wird die Sache schon komplizierter. Statt einer Definition sei deshalb auf drei Versuche, Videokunst zu beschreiben, verwiesen.<\/p>\n<p>Der Filmhistoriker John Belton vergleicht in seinem Essay <em>Looking through Video: The Psychology of Video and Film<\/em> (1996) die Wahrnehmung von Video mit der des Films und verweist dabei auf die Videokunst. \u00dcber diese schreibt er:<\/p>\n<p>&#8222;Loosely defined, video art consists of works produced by the manipulation of video as a medium \u2013 either trough special video installation pieces, through the experimental play with prerecorded material or with synthesized images, through film-like documentaries, though an artist\u2019s own performances recorded on video, or through the production of original works on video that explore the nature of the medium.&#8220; (Belton 1996, 64)<\/p>\n<p>Belton\u2019s Charakterisierung von Videokunst zeichnet eine spezifisch medienkritische Pragmatik aus. Sein Begriff der Manipulation rekurriert auf die urspr\u00fcngliche Verwendung der Videotechnik zur \u00dcberwachung und Informationsvergabe, der sich k\u00fcnstlerischen Verfahren in erster Linie laut Belton entzieht.<\/p>\n<p>Die Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Gerda Lampalzer formuliert folgende Hypothesen zur Videokunst: (1) Videokunst ist institutionskritisch, da sie sich dem traditionellen Kunstbetrieb und der Kunstf\u00f6rderung durch fehlendes Original, Reproduzierbarkeit und einer eigenen Preispolitik entzieht. (2) Videokunst agiert im \u00f6ffentlichen Raum, (3) sie erweitert die  Wahrnehmungsstrukturen und (4) ist Teil des postmodernen Diskurses (vgl. Lampalzer 1992, 16). Diese Aspekte beschreiben vor allem die gesellschaftlich-kulturellen Aspekte von Videokunst. Etwas missverst\u00e4ndlich kann Lampalzers Verortung der Videokunst im \u00f6ffentlichen Raum verstanden werden. Darunter ist das Verlassen der musealen Strukturen zu verstehen. Als Alternativen gelten Distributionsformen wie das Fernsehen, Ausstellungen in Galerien und Kunstvereinen sowie Festivals.<\/p>\n<p>Sabine Maria Schmidt, Kuratorin f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst, reagiert mit ihrem Begriff der Videokunst im Band <em>40 Jahre Videokunst<\/em> auf zeitgen\u00f6ssische k\u00fcnstlerischer Tendenzen von Video, indem sie darauf hinweist, dass sich Videokunst heute nicht mehr durch ihr Tr\u00e4germedium, sondern durch ihre Pr\u00e4sentationsformen definiert:<\/p>\n<p>&#8222;War auf lange Zeit hin zum Beispiel eine Einordnung nach den Grundkategorien der Projektion als Monitor-, Beamer- oder Kinoprojektion m\u00f6glich, die Einordnung als Ein-Kanal- oder Multi-Kanal-Installation g\u00fcltig, so zeigen viele Werke heute Zwitter-oder Doppelexistenzen auf.&#8220; (Schmidt 2006, 35)<\/p>\n<p>Schmidt verzichtet in Bezug auf Videokunst auf einen technologischen Verweis auf das Medium Video. Stattdessen versteht sie die Arbeiten als \u201ek\u00fcnstlerische Ausdrucksvariante neben vielen anderen\u201c (Schmidt 2006, 36), die sich zu einer \u201eKunstform des \u201abewegten Bildes\u2019\u201c (ebd.) zusammenfassen und in die sogenannte <em>Visual Culture<\/em> eingliedern l\u00e4sst. Die oben erw\u00e4hnte Medienkunst bleibt hier unerw\u00e4hnt. Zu dieser Zuordnung muss allerdings kritisch angemerkt werden, dass insbesondere k\u00fcnstlerische Videoarbeiten nicht nur eine bildliche Gestaltungsebene auszeichnet, sondern in gleichberechtigter Form auch die auditive Ebene.<\/p>\n<p>Obwohl die besprochenen Ans\u00e4tze von Videokunst in einem Zeitraum von zehn Jahren entstanden sind, weisen sie doch auf ganz unterschiedliche Aspekte hin: Die k\u00fcnstlerische Pragmatik von Videokunst, ihre kulturell-medialen Koordinaten und die \u00e4u\u00dferst variablen Pr\u00e4sentationsformen. Generell ist festzuhalten, dass der Begriff der Videokunst keiner durchgehend diachronen Bedeutung unterliegt, sondern diversen technologischen, kulturellen und inhaltlichen Modifikationen unterliegt. Im Schreiben \u00fcber Videokunst m\u00fcsste also eine genauere Pr\u00e4zisierung erfolgen mit welchem zeitlichen, kulturellen und inhaltlichen Aspekt sich jeweils auseinandergesetzt wird. Insofern schlage ich vor, vom Begriff Videokunst abzusehen zu Gunsten des Terms k\u00fcnstlerische Videoarbeiten. Unter den Ausdruck <em>k\u00fcnstlerische Videoarbeiten<\/em> sollen solche Arbeiten fallen, die das Medium Video heranziehen, um die Kategorien von Raum und Zeit zu erforschen, um sich mit komplexen Bild-Ton-Konstellation auseinanderzusetzen und die Positionierung des Zuschauens als auch seine Blicklenkung miteinbeziehen. Ich verstehe diesen Begriff nicht technologisch, sondern dispositivisch.<\/p>\n<p>Autorin: Stephanie Lauke<\/p>\n<p><em>Literaturhinweise&#8212;Belton, John (1996): Looking through video: The psychology of video and film. In: Renov, Michael: Resolutions: Contemporary video practices. Minneapolis, Minn (u.a.): University of Minnesota Press, 61-72.&#8212;Lampalzer, Gerda (1992): Videokunst. Historischer \u00dcberblick und theoretische Zug\u00e4nge. Wien: Promedia. &#8212;Schmidt, Sabine Maria (2006): Am richtigen Ort zur richtigen Zeit? Kurzer Bericht zur aktuellen Videokunst. In: Frieling, Rudolf und Herzogenrath, Wulf (Hg.): 40jahrevideokunst.de. Ostfildern: Hatje Cantz, 34-39. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>the label videoart \/\/ a comment LABEL VIDEOKUNST. KRITISCHE ANMERKUNGEN von Stephanie Lauke Was ist Videokunst? Eine Zusammensetzung aus den beiden Begriffen Video und Kunst. 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